Gespräch mit der Organistin Regula Sieber:
Fragen zur Orgel, zur Person und zum Konzert
Welche Geschichte hat die Orgel in Tägerwilen und was zeichnet sie aus?
Früher gab es eine Orgel vorne im Chorraum, welche das schöne Fenster verdeckte. Die heutige Orgel steht nun auf der Empore und wurde im Jahr 1976 gebaut. Im Vergleich zu andern ist es eine mittelgrosse Orgel. Sie ist mit insgesamt 1'326 Orgelpfeifen bestückt, hat 20 Register und 2 Manuale. Im März 2026 wurde eine gründliche Revision von der Orgelfirma Späth Orgelbau AG durchgeführt. Es besteht die Möglichkeit ein breites Spektrum zu spielen: Barock, Pop, Klassik, Romantik, Filmmusik und vieles mehr.
Welche Veränderungen bringt die Renovation der Orgel mit sich?
Der Klang wurde durch die Reinigung von Dreck, Staub und Schimmel sauberer. Sie klingt harmonischer, weniger scharf. Dazu wurden technische Problem behoben. Vor der Revision gab es einen Druckabfall bei den Pfeifen, es kam plötzlich weniger Luft. Der Ton wurde während des Spielens tiefer. Raum und Klang bilden jetzt eine Einheit. Die Leute bemerken die Veränderung deutlich.
Was sind Besonderheiten einer Orgel - im Vergleich zu einem Klavier?
Gleich ist die Tastatur, ansonsten gibt es doch grosse Unterschiede. Bei der Orgel ist das Pedalwerk ein eigenständiges Melodieinstrument. Der Ton wird bei der Orgel durch eine andere Technik erzeugt. Sie entsteht durch Luft, die durch die Pfeife strömt. Beim Klavier ist es ein Hammer, der gegen die Saiten schlägt. Eigentlich spiele ich Flöte mit Händen und Füssen. Es gibt auch viel mehr Klangmöglichkeiten. Eine Blockflöte ist im Vergleich zu den Orgelpfeifen aber sehr klein (siehe Foto unten).
Die Orgel wird auch als „Königin der Instrumente“ bezeichnet. Was fasziniert dich persönlich an diesem Instrument?
Die Bezeichnung passt wunderbar. Sie hat tausend und mehr Pfeifen, mehrere Manuale, ein Pedalwerk. Das ist Wahnsinn, was damit möglich ist. Es ist auch technisch ein anspruchsvolles Instrument. Es muss alles aufeinander abgestimmt werden. Die Füsse, die Hände, dann geht es um die Feinabstimmung bei den Registern. Die Orgel braucht viel Zeit, um ein Werk einzustudieren.
Wie bist du zum Orgelspielen gekommen?
Mit 18 habe ich meine erste Orgelstunde genommen. Ich bin in einer Musikerfamilie aufgewachsen, vor allem mein Vater hat viel Musik gemacht. In der Verwandtschaft gab es Orgelspieler. Was genau ausschlaggebend war, weiss ich nicht mehr. Ich habe sehr kurzfristig einen Organisten in der Kirche vertreten. Dann habe ich die Ausbildung zur Organistin gemacht. Nach einer langen Pause habe ich vor einigen Jahren wieder mit dem Orgelspiel angefangen und liess mich in Kirchgemeinden als Kirchenmusikerin anstellen.
Was hast du sonst für einen musikalischen Hintergrund?
Mit sieben Jahren habe ich mit Klavier begonnen, auch mit Blockflöte. Später nahm ich Cellostunden. Heute bin ich ausgebildete Kirchen- und Schulmusikerin und Chorleiterin. Über 20 Jahre habe ich als Musikfachlehrerin auf der Sekundarstufe unterrichtet. Dazu in verschiedenen Formationen Konzerte gegeben: Klavier und Querflöte, Klavier und Gitarre. Ich habe verschiedene Chöre geleitet, derzeit einen Projektchor, der in Gottesdiensten auftritt. Seit drei Jahren bin ich als Kirchenmusikerin in Tägerwilen angestellt.
Was bedeutet für dich diese Zusammenarbeit mit dem Musikverein Tägerwilen (was ist das Schöne, was ist daran schwierig)?
Ich musiziere gerne zusammen, weil Musik verbindet. Das spüre ich immer wieder intensiv und geniesse es. Eine Herausforderung wird das Zusammenspiel sein. Ich freue mich besonders auf «Interstellar», von Thomas Gmünder arrangiert, und auf «Experience» von Einaudi, welches ich in den Sommerferien arrangiert habe. Ich bin sehr gespannt, wie alles tönen wird. Den Kontakt zum Dirigenten werde ich über eine Kamera haben.
Passen Orgel und Blasorchester zusammen?
Ja, perfekt. Die Orgel ist auch eine Art Blasorchester. Sie kann wie eine Flöte tönen oder wenn man es anders einstellt, wie ein Saxofon oder wie eine Klarinette. Auch ein Fagott kann ich nachahmen.
Was kann das Publikum von diesem Kirchenkonzert erwarten?
Wir übertragen die Orgel auf eine Leinwand. Das wird schon spektakulär, da auch mit Licht und Filmeinspielungen gearbeitet wird. Musikalisch ist es ein grossartiges, vielseitiges Programm. Von Bach bis «drei Haselnüsse für Aschenbrödel», von «Sister Act» bis hin zu Interstellar und Experience. Die beiden letzten Stücke sind für mich die Highlights. Sie gaben auch die Idee für das Konzert. Anna Lapwood hat damit in London oder Köln die Kirchen gefüllt, auch mit jungen Leuten. Die waren übervoll.